Bloggende Schüler: Interview mit Timo Heuer

Inspiriert von der Subconference zur Zukunft des Lernens und Lehrens bei der Re:publica08, habe ich kürzlich Recherchen nach Schülerblogs betrieben. Mir kam die Idee, Schüler und auch Schülerinnen nach ihrer Motivation zu befragen, ein Weblog zu starten.

Leider habe ich keine Weblogs gefunden, die von Schülerinnen verfasst wurden. Aber immerhin habe ich vier begeistert bloggende Teenager entdeckt. Alle haben von mir elf Fragen gestellt bekommen.

Timo Heuer, 16 Jahre alt, wohnhaft in Barsinghausen ist Organisator von Events zum Thema Web 2.0 und hat das Lunch2.0 ins Leben gerufen. Über sich selbst sagt der talentierte Realschüler:

Timo Heuer ist Blogger, Podcaster und vor allem Schüler. Er ist stark journalistisch aktiv, liebt Hamburg. Er ist ein Digital native. Außerdem liebt er Macs.

Es folgt das Interview:

Literatenmelu: Was war der Auslöser dein Blog zu starten?

Timo: Ich hatte damals ein Projekt am Laufen, in dem ich das Blog als Medium zur Kommunikation zwischen den Entwicklern nutzte. Das muss so Ende des Jahres 2005 gewesen sein. Recht schnell habe ich dann ein privates Blog angelegt.

Literatenmelu: Was fasziniert dich am Bloggen?

Timo: Momentan fasziniert mich wenig am Bloggen, ich bin eher fasziniert von Twitter. Dort schreibt man in 140 Zeichen, was man gerade tut. Das ganze nennt sich Mikroblogging. Es hält sogar Robert Scoble vom Bloggen ab. Einfach und effizient. Am Bloggen finde ich jedoch sehr spannend, dass man mit Lesern in Kontakt kommt. Aber auch das geht per Twitter besser…

Literatenmelu: Wie hast du den Namen für dein Blog gefunden?

Timo: Das war nicht ich, das waren meine Eltern. Sprich: Ich habe einfach meinen Vor- und Nachnamen genommen.

Literatenmelu: Welche Themen interessieren dich? Warum?

Timo: Technische Dinge, außer es geht ums Programmieren.

Literatenmelu: Welche Leser möchtest Du mit Deinem Blog ansprechen/erreichen?

Timo: Eine genaue Zielgruppe habe ich keine. Ich schreibe für mich, aber auch für mein Umfeld, um andere daran teilhaben zu lassen, was ich denke und was ich plane.

Literatenmelu: Konntest du auf den Unterricht bezogen Leistungsverbesserungen feststellen? Welche?

Timo: Ich konnte in Englisch Verbesserungen feststellen, die von Konversationen mit englischsprachigen Zeitgenossen herrühren. Außerdem gab es in Deutsch Fortschritte durch journalistische Tätigkeiten.

Literatenmelu: Gibt es Reaktionen von Lehrern und Mitschülern zu deinem Blog?

Timo: Mein engster Freundeskreis macht zurzeit gerade die Entwicklung von ICQ zu Skype durch, von Text zu Sprache. Das finde ich sehr interessant, da Skype für mich heute in der Instant-Online-Kommunikation die erste Wahl ist.
Ich habe sicher genug Leute gezwungen, sich wenigstens einen Blog anzulegen und ein wenig damit herumzuspielen. Die meisten haben es jedoch nach kurzer Testzeit wieder aufgegeben.

Literatenmelu: Bekommst du seitens deiner Eltern/Freunde Unterstützung/Anregungen für Blogthemen?

Timo: Lehrer geben ab und zu Anregungen, aber eher unfreiwillig.

Literatenmelu: Hast du schon Erfolge bzw. negative Erlebnisse gehabt? Wie bist du damit umgegangen?

Timo: Da sag ich mal nichts zu.. 😉

Literatenmelu: Meinst du, dass dir das Bloggen dabei hilft eine Tür zu öffnen, später leichter einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden?

Timo: Ja und nein. Den späteren Arbeitgebern mag es imponieren, dass man sich bereits in jungen Jahren intensiv mit dem Online-Geschehen auseinander gesetzt hat und etwas von den Änderungen versteht, die das Web durchmacht. Aber ich glaube eher weniger, dass es bei der Suche nach einem Ausbilungsplatz als Schlosser hilft, bloggend im Internet sich zu bewegen. Bei Berufen die künsterlisches und kreatives Denken verlangen sehe ich eine große Hilfe. Oft kommen Geschäftsführer erst durch den Blog auf jemanden. Das merke ich auch schon: Ich bekam bereits einige Jobangebote, leider bisher entweder zu früh (bin erst in zwei Jahren mit der Schule fertig) oder im falschen Bereich (möchte später journalistisch arbeiten).

Literatenmelu: Sollten mehr Lehrer und Schüler auch gemeinsam Blogs starten?

Timo: Ja, da bin ich dafür. Martin Riemer hat mit Erstklässlern ein Blog gestartet. Dort berichten die Kinder den Eltern und anderen Interessierten von ihren Schulerfahrungen. Die Rechtschreibung dieser Kinder hat sich enorm verbessert. Außerdem kann es Spaß machen, gemeinsam den Eltern etwas zu präsentieren. Für Jugendliche finde ich einen gemeinsamen Blog zwar auch sinnvoll, diese sollten aber natürlich andere Inhalte publizieren. Man könnte auch beispielsweise darüber nachdenken, Hausaufgaben zu bloggen, damit auch vergessliche Schüler nichts ständig ohne Hausaufgaben sind.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Ich bin schon auf die noch folgenden Antworten der bloggenden Schüler gespannt.

Donnerstag, 10. April 2008
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