Reformierung alter Unterrichtskonzepte

In diesem Wintersemester 2006/07 habe ich das Hauptseminar der Deutschdidaktik, geleitet von Frau Dr. Heidi Rösch, belegt. Die letzte Sitzung befasste sich thematisch mit der „Intermedialen Literaturdidaktik“. Während des Seminars wurde intensiv über die Theorie debattiert. Leider sind wir nicht mehr dazu gekommen, uns über die Praxis zu unterhalten, deshalb bekamen wir die Aufgabe, uns zur nächsten Sitzung nocheinmal Gedanken zur Durchführbarkeit der zu vermittelnden Kompetenz zu machen und dies an einem Unterrichtsbeispiel vorzustellen.

In diesem Kontext habe ich vor einiger Zeit schon auf die Veränderung und den stets steigenden Einfluss der Nutzung der Medien hingewiesen. Dem Fortschritt der Technik und der sich immer weiterentwickelnden Medienlandschaft kann sich der Schulalltag nun auch nicht mehr entziehen. Der aktuelle Zeitgeist sollte endlich Einzug in den Unterricht, vor allem aber in die Köpfe der Lehrenden finden, d.h. innerhalb der didaktischen Gestaltung der Stunden muss ein Umdenken stattfinden.

Den Schülern müssen bezogen auf den Deutschunterricht literarische, sprachliche, soziale sowie intermediale Kompetenzen vermittelt werden. Wie einleitend angekündigt, werde ich mich mit der intermedialen Kompetenz beschäftigen.

Dahinter verbirgt sich die grundsätzliche Untersuchung des Verhältnisses der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Medien bzw. Künsten. Analysiert wird wie sich die einzelnen medialen Strategien ergänzen, wie stark sie aufeinander bezogen sind und welche Auswirkungen das mediale Zusammenspiel auf die Rezipienten hat.

Unter den gegebenen Voraussetzungen und Bestimmungen, die sich im Berliner Rahmenplan Deutsch der Sek II wiederfinden, möchte ich im Folgenden einen kurzen Abriss meiner Idee zu einem innovativen Deutschunterricht vorstellen.

Seit diesem Schuljahr 2006/07 gehört die sogenannte 5. Prüfungskomponente zu einem Teilgebiet der Abiturprüfung. Diese zusätzliche mündliche Prüfung besteht aus einer Präsentation und einem anschließenden Prüfungsgespräch. Daraus wird ersichtlich, dass sich die Schüler einer neuen Aufgabe stellen müssen, die natürlich vorher eingeübt bzw. gelehrt werden muss. Die Darbietungsformen fallen sehr vielfältig aus. Sie reichen vom gewöhnlichen Referat mit Thesenpapier über Software-Präsentationen bishin zu szenischen, künstlerischen und musikalischen Eigenproduktionen (z.B. Videos).

Das Stichwort der Videoproduktionen ist momentan in aller Munde, schon allein deshalb, da über die Internetseiten Youtube und Myvideo im Fernsehen berichtet wird.

Diese Communities sind inzwischen so bekannt, dass es erste „Stars“ gibt, die auf breites Interesse der Besucher der Seite stoßen. So hat es die Musikgruppe „Tekkan“ („Du bist mein Sonnenlischt“) in Deutschland durch ein Video auf YouTube zu einer Berühmtheit gebracht, die inzwischen in mehrere TV-Auftritte und einen Plattenvertrag mündete.

Zitat: Klicksafe

Hier habe ich mich für meine Unterrichtsidee inspirieren lassen. Die heutige Schülergeneration soll ein Grundverständnis der intermedialen Kompetenz erlangen, welches ein kritisches Verständnis im Umgang mit den Neuen Medien impliziert.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich entschieden, ein Filmprojekt für den 12. Jahrgang zu entwickeln. Die Schüler setzen sich mit einem literarischen Werk auseinander, indem sie sich Einzelaspekte herausgreifen und diese mittels des Mediums „Film“ ins Zentrum ihrer Interpretation rücken. Aufgrund der zahlreichen Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten, die den Schülern durch die filmische Umsetzung gegeben wird, können sie Erkenntnisse möglicherweise leichter erschließen. Hinsichtlich der Ankündigung der Veröffentlichung dieser entstandenen Produkte, kann dies dazu beitragen, dass die Schüler ein höheres motivationales Interesse zeigen bezüglich Mitarbeit und Realisierung. Schließlich „muss man die Kinder an ihrem Wissensstand abholen“ – dieses Zitat stammt von Frau Rösch.

Zur besseren Veranschaulichung skizziere ich hier kurz ein Exempel für ein solches Videoprojekt im Deutschunterricht.

Zunächst setze ich voraus, dass die Schule über genügend technisches Equipment verfügt bzw. gehe ich davon aus, dass auch in einigen Haushalten der Schüler diverse Videokameras vorhanden sind. Sollte dies nicht der Fall sein, besteht – zumindest in Berlin – die Möglichkeit, dass man sich das benötigte Material im LISUM ausleihen kann. Relevant für das Projekt ist, dass die Schüler das Drama „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt kennen. Die Aufgabe besteht nun darin, dass die Schüler sich mit einer Problematik des Werkes (z.B. Wissenschaft/Forschung: Welche gesellschaftliche Verantwortung tragen Wissenschaftler?) oder sich konkret mit der szenischen Umsetzung auseinandersetzen und dazu einen Kurzfilm drehen.

Während meiner Recherchen habe ich herausgefunden, dass schon Beispiele solcher Schülerversuche existieren. Seht selbst!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass hier nicht nur eine Möglichkeit der öffentlichen Anerkennung geboten wird, welches das Selbstwertgefühl der Schüler stärkt, sondern dass die Schüler in Kooperation miteinander zusätzlich die soziale Kompetenz internalisieren, da sie sich gegenseitig Hilfestellung geben, untereinander kommunizieren, was wiederum eine gewisse Kompromissbereitschaft voraussetzt.

Dies erscheint mir persönlich eine vernünftige Umsetzung im Sinne des bildungspolitischen Aspektes der Schule zu sein.

Ganz nebenbei bemerkt lassen sich solche Videoprojekte – sicher mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden – in jedem Unterrichtsfach realisieren. Lehrer werdet kreativ! 😉

2 Kommentare zu „Reformierung alter Unterrichtskonzepte“

  1. Pingback: Christian Boris Schmidt » YouTube im Deutschunterricht?

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