Kommentar zur Schulöffnung in Berlin

Gespannt haben wir alle die Pressekonferenz der Bundesregierung erwartet. Schließlich möchte jeder seinen Alltag in diesen besonderen Zeiten organisieren, planen und auch so lebensfroh wie möglich gestalten können.  „Harte, aber notwendige Maßnahmen“ wurden beschlossen so unsere Bundeskanzlerin. 

Da heißt es in dem Beschluss:

Die vor uns liegenden Monate Januar, Februar und März werden jedoch noch erhebliche Geduld und Disziplin aller erfordern. […] Mit Besorgnis betrachten Bund und Länder die Entwicklung von Mutationen des SARSCov2-Virus. […] Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder bitten alle Bürgerinnen und Bürger dringend, auch in den nächsten drei Wochen alle Kontakte auf das absolut notwendige Minimum zu
beschränken und soweit möglich zu Hause zu bleiben.

Die weiteren strengen Beschlüsse möchte ich hier nicht weiter ausführen, denn diese sollten bekannt sein bzw. können hier in der Zusammenfassung der Videoschaltkonferenz nachgelesen werden.

Es wird also gewünscht, nein wenn nicht sogar zum Schutz unserer Gesellschaft und zum Aufrechterhalten des Gesundheitssystems gefordert, dass wir uns in einem sehr kleinen Radius bewegen, ein Appell an die Arbeitgeber sie sollen Homeoffice ermöglichen. Wir sollen alle unsere Kontakte auf ein Minimum reduzieren.

Und was wird im Berliner Senat beschlossen? Es sollen die Berliner Schulen sukzessive wieder geöffnet werden. Ganz ehrlich: Ich dachte es sei ein Aprilscherz. Ich frage mich, ob die Abgeordneten im Senat die Maßnahmen der Pressekonferenz verstanden haben? Stattdessen wird folgender Plan der Öffnung der Schulen präsentiert:

via @rbb24

Bildungssenatorin Sandra Scheeres behauptet, es sei eine durchdachte und bewusste Entscheidung. Begründet wird die Entscheidung mit dem Recht auf Bildung und damit, dass die Schere zwischen denen, die lernen können, und denen, die nicht lernen können, größer wird. Die Argumente sind für mich nachvollziehbar und sind sehr gehaltvoll.

Wer mich kennt, der weiß, wie sehr ich mich in Rahmen meiner Möglichkeiten für sozial benachteiligte Mitmenschen einsetze. Aber ich frage mich, ob man hier nicht auch diese Argumente anbringt, weil man es verschlafen hat, die Digitalisierung in Schule voranzutreiben? Henning Tillmann bringt in seinem Artikel „Wie Deutschland die digitale Bildung verschläftaus dem Jahr 2014 sehr gut auf den Punkt, was man bedenken und einplanen hätte können. Ich habe den Artikel so schnell gefunden, weil auch ich das bekräftigen wollte. Meinen Blog habe ich 2006 während meines Lehramtsstudiums gestartet und wurde vor 15 Jahren von meinen Kommilitonen als auch den Professoren belächelt, dass ich mich mit der damals neuen Web2.0-Technologie beschäftige. Schließlich würde man das in der Schule nicht brauchen. Der klassissche Brockhaus wird nicht aussterben … und wer hat den Brockhaus abgelöst? – Wikipedia

Man hätte sich schon viel länger mit einer digitalen Didaktik beschäftigen müssen und genauso viel zu dem Thema forschen sollen, wie zum Einsatz von Kreidetafel, Schulbuch und Arbeitsblatt. Aber das kennt man, dem vertraut man und deshalb wird da noch mehr Energie hineingesteckt.

Und wo stehen wir jetzt? Bundesweit gibt es kaum Lehrer*innen, die sich mit digitalen Lernangeboten auskennen, sind überfordert Videokonferenzen zu veranstalten oder digitalen Unterricht zu planen. Dabei ist der Begriff E-Learning seit Mitte der 1990er Jahre etabliert.

Fast 30 Jahre wurden vergeudet, um eine sinnvolle digitale Bildung in unserem Schulsystem zu etablieren. Ich bin kein Sozialforscher, aber wisst ihr wie viele Generationen hätten schon längst digitaler durchs Leben gehen können? Und ich sage euch, da hätte so ein Virus nichts gegen die soziale Bildungsschere gegen halten können.

Nun muss das Corona-Virus kommen, damit sich in vielen Lebensbereichen u.a. im Bildungsystem etwas ändert? – Ich bin geschockt.

Aber es ist wie es ist: Wir öffnen die Schulen. Die Kleinsten gehen 3h am Tag zur Schule und lernen dann zu Hause weiter mit den digitalen Lernmaterialien (Arbeitsblätter zum Ausdrucken 🙂 ). Achso, die bildungsfernen Schüler werden natürlich in den 3h aufgefangen und das hilft die Bildungslücken zu schließen. Und wenn die Infektionszahlen steigen, dann schließen wir natürlich die Schulen wieder. Na ob dieses Lern-Chaos für die Psyche unserer Kinder so sozialverträglich ist und ob die Bildungslücke von bildungsnahen und bildungsfernen Elternhäusern so geschlossen werden kann? Na die beratenden Experten werden sicher die Entscheidung sehr bedacht getroffen haben.

Im Jahr 2033, wenn die Pisastudien veröffentlicht werden, wird sicherlich auch analysiert, dass aufgrund der Schulöffnung und dem Gewähren des Rechts auf Bildung eine Chancengleichheit geschaffen wurde. Dadurch haben viel mehr junge Menschen nun das Abitur erlangt und werden unsere Wirtschaft ankurbeln.

 

2 Kommentare zu „Kommentar zur Schulöffnung in Berlin“

  1. Liebe Melanie,
    die Digitalisierung ist ein wichtiges Thema. Vielleicht ergibt sich aus der Corona-Situation jetzt auch eine Chance für unser Bildungssystem sich auch auf der digitalen Ebene weiterzuentwickeln.

    1. Es gibt ja ein da einige was passiert. Ich habe mich auch mal versucht durch die Fördermöglichkeiten und Projekte zu lesen. Da gibt es aber so viel auf Länder- Kommunal- und Städteebene… Ich habe kapituliert.
      Aber es gibt soviel Optionen nur ist der Aufwand dahinter gefüllt mit einer Vollzeitstelle zu besetzen.

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