Hat die Generation Z noch Vorbilder?

https://www.flickr.com/photos/planeta/9091132233Ich hatte kürzlich eine spannende Unterhaltung mit meinen Schwiegereltern in spe. Wie das so ist, denkt jede Elterngeneration daran, nur das Beste für den Nachwuchs zu wollen. Ab einem bestimmten Alter sind aber nicht mehr die Eltern die Vorbilder.

Da kam die Frage auf, ob denn heutzutage die Generation Z noch Idole hat, so wie die Großeltern oder wir, die neue Elterngeneration? Da stellt sich mir die Frage: Wie ist eigentlich ein Vorbild definiert?

Im engeren Sinne ist Vorbild eine Person, mit der ein – meist junger – Mensch sich identifiziert und dessen Verhaltensmuster er nachahmt oder nachzuahmen versucht.

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Per Definition könnte man vermuten, dass auch diese Generation Idole hat. Dennoch möchte ich behaupten, dass sich der Personenkult bei den heutigen Jugendlichen stark gewandelt hat. Heute dreht sich sehr viel um die Vermarktung und Präsentation des eigenen Egos. Beobachtet man in den verschiedenen sozialen Netzwerken die Auftritte der jungen Menschen, so fällt auf, dass sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt wird, dass Selfies populär sind sowie sehr wichtig ist, wie viele Likes und Fans oder Follower man hat – je mehr desto besser.

Ist bei so viel Egozentrismus noch Zeit, sich um Idole zu kümmern? Auf diese Frage versuche ich gleich eine Antwort zu finden. Jedoch möchte ich kurz in meine Teenagerzeit zurück blicken. Ich bin ein Kind der Wende –  oder wie sagt man so schön –  ein Kind der 90er. Was waren das für Zeiten. Mich prägten der GameBoy (Tetris und Super Mario Bros), die amerikanischen Sitcoms wie Beverly Hills 90210, ALF, der Prinz von Bel Air, Alle unter einem Dach und die Cosbys. Musikalisch wurde ich in den Bann der Loveparade gezogen – noch heute gehört die elektronische Musik zu meinen Favoriten. Auch politisch war ich geprägt. Ich fand Joschka Fischer hatte trotz seines Wandels eine tolle Persönlichkeit. Er war in den 70ern ein Revoluzzer, gründete erfolgreich eine Partei und hat bis heute viel bewegt.

Wie das so ist als Teenager, wollte auch ich rebellisch sein und die Welt verändern. Ganz ehrlich: Ich glaube, ich habe die Welt ein Stückchen mit verändert. Denn ich bin stolz ein Teil der Educamp-Community zu sein. Wenn ihr mich fragt, wurden dort viele Grundsteine gelegt, um – zumindest im deutschen Bildungssystem – ein Umdenken im Lernen mit digitalen Medien zu fördern. Durch die vielen Konferenzen in den bundesweiten Städten haben wir viele Pädagogen, Professoren, Studenten u.v.m. erreicht und Bewegung in das Bildungssystem gebracht. Ebenfalls daraus hervor ging die OER-Bewegung.

Doch wie sieht die Realität heute aus? Schenkt man der JIM-Studie viel Vertrauen, so kommt man zu der Erkenntnis, dass die Generation Z weniger TV konsumiert, aber dafür sehr viel im Internet und vor allem auf Youtube abhängt oder sich über soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste austauscht. So kommt es, trotz DSDS und diverser anderer Musikformate im TV, dass Youtube-Stars geboren werden. Mal ganz ehrlich unter uns gefragt: Sind das Idole, die wir uns für unsere Kids wünschen? Ist es das worauf es heute ankommt? Selbstdarstellung und Selbstvermarktung? Viele Fans, Follower oder unzählige Freunde?

Was bedeutet es eigentlich z.B. über 500 Freunde zu haben? Sind das wirklich wahre Freundschaften? oder Vereinsamen am Ende unsere Kids im unendlichen Nirvana der unbegrenzten Möglichkeiten des Internets?

Ich habe dazu eine Umfrage via Twitter gestartet. Trotz meiner 1800 Follower blieb die Reaktion sehr klein aus. Möglicherweise werden es dafür aber mehr Kommentare 😉 Ich bedanke mich bei Helen Knauf und Sebastian Horndasch für ihre Antworten. Natürlich ist das nicht repräsentativ, aber scheinbar sind Gronkh, Sherlock und CASPERxOFFICIAL sehr angesagt. Es wird aber auch gelesen, u.a. Fanfiction.

Nun versuche ich die Frage zu beantworten, ob noch Zeit für Idole ist? Wenn ihr mich fragt, sind diese Youtube-Stars per Definition keine Idole für die Kids, sondern es ist cool die Videos zu konsumieren und mit den anderen Peers mitreden zu können. Die Inhalte werden einfach nur aufgesogen. Mir ist kaum ein Teenager bekannt, der sich durch die Youtube-Stars animiert fühlt, auch etwas zu bewegen. Das einzige was nachgeahmt wird, ist die Selbstdarstellung.

Was meint ihr, ist die Welt da draußen wirklich so schwarz oder gibt es Hoffnung am Horizont? Ich freue mich über eine hitzige Debatte.

 

Freitag, 31. Juli 2015
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