Sommercamp: Wikipedia

Angeregt durch das Schul– und Silberwissenprojekt des Wikipedia-Vereins habe ich ein ähnliches Programm für die Schülerhilfe entwickelt. Da Lernen in den Sommerferien oft als Strafe und nicht als Chance angesehen wird, dachte ich mir diesmal ein Konzept aus, welches, so hoffte ich, hohe Motivation der Schüler mit sich bringt.

Wie kam es zu der Idee? Seit letztem Herbst bin ich aktiv dabei, dass Schulprojekt des Wikimedia e.V. zu unterstützen und ein Konzept mit einigen Wikipedianern zu entwickeln, welches Schülern und Lehrern einen kritischen Umgang mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia nahe bringen soll. Während der Konzeptionierung habe ich mich immer intensiver mit Wikipedia, deren Funktionsweise, den Schwesterprojekten und der Geschichte befasst.

Auf der Startseite steht:

Jeder kann mit seinem Wissen beitragen.

Er sagt nicht aus, dass nur Erwachsene oder studierte Persönlichkeiten in einem Lexikon Artikel schreiben können. Dieser Gedanke beflügelte meine Fantasie und Kreativität. Davon ausgehend, dass in allen Kindern und Jugendlichen verborgene Potenziale stecken, die sie in unserem Bildungssystem nicht immer zeigen können, habe ich mir gedacht, in den Sommerferien lernen die Schüler, ihre meistgenutzte Webseite für Hausaufgaben etwas genauer kennen.

Ziel der Nachhilfe ist u.a. den Schülern Lösungswege zur Selbsthilfe zu vermitteln. Wichtig dabei ist, dass sie lernen, wie sie mit den neuen und alten Medien recherchieren, Informationen filtern und sich neues Wissen aneignen. Es ist bekannt, dass die Schüler der letzten 10 Jahre häufig zunächst für ihre Hausaufgaben und Referate im Internet recherchieren. Hauptanlaufstelle ist oftmals Wikipedia. Doch was wissen die Schüler eigentlich über Wikipedia? Ist es eine Webseite, die von ungeahnten Mächten mit Wissen gefüllt wird?

Diesen Geheimnissen bin ich letzte Woche mit einer Gruppe von vier Schülern auf den Grund gegangen. Die gesamte letzte Woche habe ich „Sommercamp: Wikipedia“ getauft. Ziel war es, zu verstehen was die Enzyklopädie ist, wie sie funktioniert und das i-Tüpfelchen war, einen eigenen Artikel zu verfassen, der dann auch dort für die Ewigkeit veröffentlicht ist.

Projektablauf:

Für dieses Projekt hatte ich fünf mal 90 Minuten Zeit. Am ersten Tag habe ich mit den vier Schülern (5.-10.Klasse) zunächst eine Mindmap angefertigt zum Thema: Was ist Wikipedia? was wisst ihr über die Enzyklopädie?

Im Anschluss daran haben wir uns darüber ausgetauscht, wo man an Informationen herankommt. Erstaunlich für mich war, dass alle nur Ideen zum Internet hatten. Erst als ich meinte und nun hätte ich mal Vorschläge, die nichts mit dem Web zu tun haben, kamen auch noch andere Stichworte. Anschließend habe ich den Schülern gezeigt, dass noch nicht das gesamte Wissen in der Wikipedia abgebildet ist. Es gibt eine sogenannte Artikelwünsche-Seite. Hier hatten die Schüler dann eine halbe Stunde Zeit, nach Themen zu recherchieren, die sie interessieren. Sie wussten hier bereits, dass sie anschließend zu ihrem Thema einen Artikel verfassen.

     

 

 

 

 

 

 

 

Am zweiten Tag haben wir uns mit dem Aufbau eines Artikels und den Inhalten der Abschnitte befasst. Schließlich sollten sie analog zum Beispieltext zum Langschwanz-Glanzstar einen Lexikonartikel verfassen. Anhand der Vorlage haben wir die Kriterien für unseren Artikel erarbeitet. Anschließend haben sie begonnen ihre Materialien zu sichten und zu ordnen. Danach war jeder für ein Thema zuständig. In den folgenden drei Tagen haben wir dann gemeinsam den Artikel zum Langschwanz-Glanzstar verfasst.

Leider hatte ich keine Zeit, den Schülern das Backend von Wikipedia zu zeigen, weshalb ich dann die handschriftlichen Werke mit nach Hause nahm und die Texte dann selbst am PC unter meinem Nick Daphne1981 in die Wikipedia hineinschrieb. Zusätzlich habe ich noch ein Foto und eine Landkarte in den Artikel eingebaut. Leider passen die AGB von Stepmap und die Lizenzregelung von Wikipedia nicht zusammen, weshalb die Karte entfernt wurde.  Da ich sie aber frei nutzen kann, füge ich sie hier mit an.

Lebensraum des Langschwanz-Glanzstar
Jetzt eigene Landkarte erstellen

StepMap Lebensraum des Langschwanz-Glanzstar

 

Den Schülern und mir hat dieses Sommercamp sehr viel Spaß gemacht. Ich hätte einfach gern mehr Zeit gehabt, sodass die Schüler den Artikel auch selbst tippen, aber ein Anfang ist gemacht. Sofern es eine Fortsetzung gibt, werde ich dies gleich mitberücksichtigen. Doch nun sind erstmal vier Schüler und meine Wenigkeit stolz auf das Endergebnis, welches sich zeigen lassen kann und zum Nachahmen angedacht ist.

Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung und die Kommentarfunktion kann auch fleißig genutzt werden. Ein erstes Interesse bekundete Andre Kind, Betreiber der Kindersuchmaschine Loopilino. Auch dort wurde unser Artikel honoriert.

9 Gedanken zu „Sommercamp: Wikipedia“

  1. Ja, das mit Wiki ist echt schade. Es freut mich aber, dass Du die Karte verwendet hast, um das Thema auch bildlich zu beschreiben. Ich denke, dass es den Schülern auf jeden Fall hilft. Übrigens, in Step 2 kannst Du den Maßstab auch verschieben, also z.B. nach ganz unten links, damit er nicht so mittig in der linken Kartenhälfte steht. Ist aber natürlich Geschmackssache.

    Wie gesagt, für Schüler und Lehrer kostenlos. Wer Fragen dazu hat, kann mich gerne anrufen: 030 – 609825532.

    Beste Grüße
    Ole

  2. Sehr schöne Idee Kinder dazu zu animieren, Wissen aufzubauen und direkt ins Internet zu Wikipedia zu bringen. Darauf dürften sie selbst auch stolz sein!

  3. Sehr schön, vier neue Autoren. Mit dem Umsetzen eines Artikels lernen Schüler bestimmt sehr schnell wie die Wikipedia funktioniert und wie sie gute von weniger guten Artikeln unterscheiden können. Eine schöne Ergänzung bzw. Weiterführung des Schulprojekts.

  4. Ich wiederhole nach meinen Vorgängern, dass es eine super Idee ist. Sie bietet nicht nur den Kinder eine gute Motivations- und Entwicklungsmöglichkeit an, sondern ist eine interessante Idee an sich. Sie kann alle begeistern inklusiv Kinder, Eltern und Lehrer.

  5. Meine Gratulation!
    Wenn man bedenkt, wie viel anspruchsvoller die Wikipedia seit 2005 geworden ist, als der erste Schreibversuch meiner Schüler durch Schnelllöschung verschwand und der zweite gleich in eine Löschdiskussion wanderte, ist es eine großartige Leistung.
    Unterstützung der Anfänger ist gerade darum so wichtig, weil die Schwelle jetzt so hoch liegt. Ich wünsche many happy returns!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.