Ja, ich heiße Melanie Unbekannt

Nachdem ich heute nun erneut negative Erfahrungen aufgrund meines Nachnamens gemacht habe, denke ich, dass es an der Zeit ist, dies einmal zu thematisieren. Jeder Mensch erhält bei der Geburt einen Vor- und Nachnamen von den Eltern zugeteilt. Darauf hat das Neugeborene keinen Einfluss – auch ich nicht.

Als ich 1981 das Licht der Welt erblickte, gaben mir meine Eltern den Vornamen Melanie. Da sie noch nicht verheiratet waren, hatte ich noch den sehr herkömmlichen Nachnamen Degenkolbe. Einige Jahre später – 1987 – schlossen meine Eltern den Bund der Ehe. Seitdem trage ich den Familiennamen meines Vaters: Melanie Unbekannt.

Dieses Jahr war der Beginn einer sehr interessanten Zeit. Während meiner Schulzeit hörte ich oft recht vorwurfsvoll von den Lehrern, die mir erstmalig begegneten, ob ich denn meinen Nachnamen nicht kennen würde. Als ich von der Grundschule zum Gymnasium wechselte, haben sich die Lehrer aller Fächer meine Person natürlich zuerst eingeprägt, d.h. ich war in den ersten Wochen der erste Prüfling, der mündlich an der Tafel das Wissen unter Beweis stellen musste. Auf meine Klassenkameraden hatte der Nachname keine Wirkung. Ich war genauso wie sie eine lernende Person.

Nach meinem Abitur hatte ich durch den außergewöhnlichen Nachnamen Unbekannt mit all meinen Bewerbungen ein offenes Türchen zu diversen Firmen. Schließlich wollten alle den Menschen mit dem Namen doch auch mal persönlich kennenlernen.

Allerdings ist das auch schon der einzige Vorteil. Normalerweise erlebe ich meist nur ablehnende Reaktionen. Ich kann mir keine Pizza beim Bestellservice ordern, da sich das Gegenüber veräppelt fühlt. Doch das ist nicht alles. In unserem heutigen modernen Zeitalter, wo sehr viel über das Internet läuft und viele Personen aus eigenem Schutz sich andere Identitäten in Communities anlegen, habe ich es schwer.

Schließlich trete ich stets mit meinem reellen Namen auf. Doch ich muss immer Hürden überstehen. Bei Xing z.B. musste ich mich mit meinem Ausweis autorisieren. Aktuell habe ich wieder Probleme. Von den Verantwortlichen der TOMs Book-Kampagne erhielt ich eine Email, mit der Bitte doch meinen „richtigen“ Nachnamen anzugeben, damit auch die Post mich erreicht. Bei der Trigami-Kampagne von Fonic warte ich nun schon seit zwei Wochen auf Post. Auch hier ist man über meinen Nachnamen stutzig geworden. Ich bin gespannt, ob da noch akzeptiert wird, dass ich eine real existierende Person bin und noch das Päckchen erhalte.

Also an dieser Stelle nochmal für alle zum Mitschreiben: Melanie Unbekannt ist mein reeller Name unter dem ich auch amtlich gemeldet bin.

21 Gedanken zu „Ja, ich heiße Melanie Unbekannt“

  1. Gut, die Diskussion hatten wir am Wochenende ja auch zum xten mal.^^

    Ich kann es bestätigen, sie heißt UNBEKANNT. Ich hab ihren Ausweis, ihre Krankenkassenkarte und ihre ec-Karte gesehen… Und soviel Aufwand macht sich wohl keiner das zu fälschen 😉

    Mal ne andere Frage, wieso ist das Kommentarfeld so kleine?

  2. Anfangs war ich sicher auch noch etwas stutzig, aber mittlerweile werde ich auch immer wieder auf Deinen Namen angesprochen und kann Deinen Unmut angesichts der unnötigen Benachteiligungen nachvollziehen.

  3. Hey Melanie, ich hoffe, dich heute nicht zu sehr geärgert zu haben. Jetzt hab ich ein ganz schön schlechtes Gewissen, dass ich Dich sogar zu einem Blogbeitrag getrieben habe. Ich glaube, da ist eine kleine Überraschung als Wiedergutmachung nötig.

  4. Hallo Juliane,

    richtig verärgert bin ich jetzt nicht, aber da mir das Problem mit meiner Identität vor allem im Internet auffällt, dachte ich mir, dass ich nun mal an die Öffentlichkeit damit gehe. Also brauchst kein schlechtes Gewissen haben. Ein wenig kann ich es auch nachvollziehen, aber ich hoffe, dass in naher Zukunft der Name akzeptiert wird. schließlich bin ich nicht der einzige Mensch mit einem ungewöhnlichen Namen. Es gibt auch Personen, die Nix oder Ungeheuer mit Nachnamen heißen. Also in diesem Sinne einen schönen Tag

  5. Anfangs habe ich auch gedacht, dass du den Namen fürs Web geändert hast. Ich glaube schon, dass es sehr nervt, wenn man sich immer wieder erklären muss. Aber es gibt, wie du geschrieben hast, auch unangenehmere Namen. Und wenn man erst mal begriffen hat, dass es dein richtiger Name ist, bleibst du in Erinnerung und das nur positiv! 🙂
    Also habe Nachsicht mit den Unwissenden, denn Sie werden dich mögen.
    Gruß
    Christian

  6. Ich bin da fast neidisch. Die ganzen Gesichter der Menschen, die Dir gegenüberstanden hätte ich auch gerne gesehen.

    Und wenn Du erst sehr bekannt wirst, dann ist es der Renner 😉

  7. Ja, ja,…die lieben Namen. Da finden sich doch immer wieder einige, die nur mit Meier, Schulze, Lehmann etwas anfangen können und anderes wohl den Horizont übersteigt oder zu kleinen „Witzen“ anregt. Es ist natürlich traurig, wenn man auf Grund dessen Benachteiligungen ausgesetzt ist. Diskriminierung auf Grund des Namens…gerade wo das Antidiskriminierungsgesetz vor kurzer Zeit 2 Jahre alt geworden ist…

    Die Frage ist dann die, ob man auf solche Unternehmen angewiesen ist, oder ob nicht andere Firmen etwas ähnliches leisten können. Zumindest ist es aufschlussreich, mal Namen genannt zu bekommen. Eine Fortsetzung in Zukunft wäre somit sehr interessant… 😉

  8. 🙂 Also ich heiße Tamim und werde immer TamiN ausgeprochen. Einen solchen Nachnnamen zu haben stelle ich mir ungemein schwerer vor. Ich glaube man muss lernen das mit einem Lächeln zu nehmen. Ich stelle mich jetzt immer so vor: “Hallo ich bin der Tamim mit einem M am Ende“. Das bricht in der Regel das Eis. Ich habe sogar einen Präsentation mal mit einem M auf der Folie begonnen, damit die Leute für meinen Namen sensibiliert werden. Die Leute schmunzeln, merken es sich dann aber eher.

  9. Hallo Melanie,

    ich muss mich entschüldigen. Ich habe in Deutschland 20 Jahre programmiert ohne zu wissen, dass „Unbekannt“ eine Nachname ist.

    Für die 20-Jahre falsch programmierte Systeme entschüldige mich. Ab jetzt gibt es bei mir keine Standardwert „unbekannt“ mehr. Sie haben dann vielleicht ein paar Probleme weniger.

    Ich habe mir gedacht, dass meine Nachname, mit Hochkomma, genug Probleme verursacht („‚“ ist einen Sonderzeichen in den meisten Computersprachen) aber dass ist nichts im Vergleich mit Frau Unbekannt.

    MfG

    Dennis O’Shea

  10. Hallo Melanie,

    deine Probleme kenne ich!
    Name: Unbekannt (lach,lach),
    das als Man müßt Du mal erleben!?!
    Wie ist dein Name??? Und man sagt „Unbekannt“

    Das geht aber sowas von in die Hose, dass glaubst Du nicht!!!
    Aber meinen Opa finden wir nicht (Soldat UNBEKANNT).

    Gruß aus Niedersachsen

  11. Hi Melanie,
    Ich habe kürzlich jemanden mit dem gleichen Nachnamen kennengelernt (vielleicht seid ihr verwandt?). Der hatte allerdings dazu noch am 31.12. Geburtstag. Es kann also noch schlimmer kommen 😉 Das glaubt dann keiner mehr. Ich habe aber auch seinen Ausweis und seine EC-Karte gesehen.
    Ich fände interessant zu erfahren, woher das kommt – solche Namen haben ja häufig eine Herkunft. Ein Findelkind als Vorfahr o.ä.? Schonmal nachgefragt/-geforscht bei dir?

  12. Hallo Fabian,

    hättest ja mal fragen können, ob mich der andere „Unbekannte“ kennt 😉 – aber es scheint noch ein anderer Zweig mit Nachnamen „Unbekannt“ zu geben, ich habe an der TU Berlin in meinem Studium auch mal jemanden kennengelernt mit gleichem Nachnamen, konnten aber Verwandtschaft ausschließen. Ich selbst habe zu meinem Nachnamen nicht geforscht.

  13. Es gibt auf die (echten) Nachnamen „Mustermann“ und „Unsinn“ sowie die (echten) Vornamen „Freund“ und „Ohne“ … „Max Mustermann“, „Reiner Unsinn“, „Freund Blase“ oder „Ohne Nutz“ sind damit möglicherweise reale Personen. Allerdings würde ich dann gern die Eltern fragen, was sie sich bei der Namenswahl gedacht haben.

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