Blogparade zum Beruf des Lehrers

Einige Erlebnisse als auch Veranstaltungen rund um unser Bildungssystem haben mich nun dazu bewogen, eine Blogparade zum Beruf des Lehrers ins Leben zu rufen. Dass es der Lehrer seit gefühlten 20 Jahren nicht einfach hat und unser Schulsystem einem ständigen Wandel unterliegt, ist wohl niemandem entgangen – ob im TV, in der Tagespresse oder im Web – das Bildungssystem ist in ständiger Kritik. 

Die Hauptakteure unseres Ökosystems Schule sind immer noch die Lehrer, welche die Schüler für den Rest des Lebens prägen und einen erheblichen Einfluss auf die Zukunft des Nachwuchses haben. Doch nicht nur darauf, sondern auch auf den Wirtschaftskreislauf, denn je nach Bildungsstand und Förderung der individuellen Kompetenzen, werden die Lernenden einer entsprechenden Ausbildung nachgehen. Damit einher geht natürlich auch die  ökonomische Entwicklung eines Landes.  Ich frage mich oft, sind die Lehrer sich  dieser Verantwortung bewusst? Doch nicht nur die Lehrer, sondern auch die Ausbilder der Lehramtsanwärter?

Schwerpunktmäßig steht der Fächerkanon, auch bekannt als Rahmenlehrplan,  im Zentrum sowie das Notensystem als auch das Einteilen der Schüler in schwach-, mittel- und hochbegabte Lerner. Was soll dieses Schubladendenken? Wem nützt es? Gibt es nicht wichtigere Kompetenzen und Lehrinhalte, die im Fokus stehen sollten?

Mobiles Lernen, E-Learning, Tablet- oder Notebook-Klassen sind hierzulande immer noch Randgruppen. Leuchtturmprojekte werden ins Leben gerufen, um zu testen, wie effektiv dieses neue Lernen ist. Wie viele dieser Einzelprojekte benötigt Deutschland, damit endlich flächendeckend mit der IT gelernt werden kann? Wann wird diesbezüglich eine Infrastruktur an den Schulen geschaffen?

Wie man sehen kann, gibt es noch sehr viele Stellschrauben und Baustellen, an denen gearbeitet werden soll und deshalb komme ich auch wieder zurück zu dem anfänglichen Thema der Blogparade. Möglicherweise ist diese Blogparade auch Anlass erneut seinen Blog zu aktivieren. Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere bloggende Lehrer Lust hat, folgende Fragen zu beantworten.

  • Warum bin ich LehrerIn geworden?
  • Was war meine Motivation?
  • Habe ich die Motivation noch?
  • Was ist verloren gegangen?

Gern können die Fragen auch erweitert oder abgewandelt werden. Ich werde nun selbst versuchen diese Fragen zu beantworten.

Warum bin ich Lehrerin geworden? Was war meine Motivation?

Diese beiden Fragen lassen sich – bei mir zumindest – unschwer voneinander getrennt denken. Bevor ich mich für einen zu erlernenden Beruf entschlossen habe, habe ich mir überlegt, was möchte ich in den nächsten 30 Jahren meines Berufslebens erreichen, was wünsche ich mir von meinem Beruf und in welchem Tätigkeitsfeld möchte ich etwas bewegen? Das war für mich einfacher zu beantworten als einen Beruf zu definieren.  Ich wollte gern etwas weltbewegendes Veränderndes vorantreiben, nicht tagein tagaus die gleiche stupide Arbeit verrichten und ich wollte gern mit jungen Menschen zusammen arbeiten. Mit diesen Vorstellungen bin ich also einmal zu einem Berufsberatungsgespräch gegangen. So kam es, dass ich mich mehr und mehr mit dem Lehrersein identifizierte und mein Studium begann.  Während meines Studiums wurde mir bewusst, dass ich vor allem mit den Randgruppen unserer Gesellschaft arbeiten wollte. So kam es, dass ich meine Praktika an sogenannten Kiezschulen absolvierte. Schließlich haben auch diese jungen Menschen die gleiche Chance verdient, zu studieren oder gar einen Ausbildungsplatz zu finden, der ihren Kompetenzen entspricht. Mein Leitsatz ist: Es gibt keine dummen Kinder, sie werden von unserem System so gemacht!

Habe ich die Motivation noch?

Die grundlegende Motivation etwas in unserer Gesellschaft zu verändern und auch das Denken der Menschen zu öffnen als auch zu erweitern ist bei mir noch immer gegeben. Meinen Fokus habe ich 2006 v.a. auf das Lernen mit digitalen Medien und neuen Lernformaten als auch den Ansatz von Gamification gerichtet. Bestärkt wurde ich in diesem Vorhaben u.a. durch das Educamp und den frühen Akteuren/ Unterstützern des Vereins. Auch wenn die Mühlen im deutschen Bildungssystem sehr langsam mahlen, so ist doch sehr viel Bewegung und ein Aufwärtstrend erkennbar – und ich war/bin dabei.

Auf meinem Weg bin ich z.B. Beat Döbli Honegger, den Gründern von sofatutor und bettermarks begegnet oder war beim Microsoft European Innovative Education Forum. Mittlerweile bin ich in der freien Wirtschaft angekommen und schlage eine Brücke zwischen Lernen und den Einsatz von digitalen Tools – speziell liegt hier mein Augenmerk auf der Kollaboration, dem gemeinsamen Lernen mit einem Wiki.

Was ist verloren gegangen?

Ich habe vor allem meinen Idealismus verloren, wenn man das so sagen kann.  Wie heißt es so schön, man reift mit der Erfahrung.  Mittlerweile blicke ich auf unser Bildungssystem mit realistischen Augen und versuche mit den Gegebenheiten zu arbeiten, die vorhanden sind.  Was nützt es dem Nachwuchs zu jammern, dass die Infrastruktur an den Schulen nicht gegeben ist oder dass an den Universitäten in der Lehrerausbildung noch immer nicht die digitalen Werkzeuge in der Didaktik angekommen sind, sondern dass noch immer das Buch, die Kreidetafel und die Arbeitsblätter (lose Blattsammlungen in einem Hefter) dominieren? Stattdessen ist es besser sich zusammen zu tun und von unten den Wandel voranzutreiben und eben mit den Gegebenheiten zu arbeiten, die existieren.  Ich bin z.B. sehr stolz auf die Kaiserin-Augusta-Schule in Köln, das Archenhold Gymnasium in Berlin und auf das konsequente Stattfinden des Educamps.

In diesem Sinne: Bleibt Euren Projekten treu und versucht trotz aller Steine, die im Weg liegen, am Ball zu bleiben. Bildung ist das wichtigste Gut.

Sonntag, 23. Februar 2014
Autor:

4 Reaktionen

Kommentar hinzufügen